Abstieg, nicht nur sportlich

Eins vorab, nach dem Unentschieden gegen Mainz am Wochenende ist der Abstieg wohl nicht mehr abzuwenden. Wenn man sich die gesamte Saison vor Augen führt, kann man dies dann wohl als krönenden Abschluss im negativsten Sinne sehen. Aber fangen wir vorne an….

Was ist im Sommer 2017 passiert?

Nachdem der 1. FC Köln sich nach 25 Jahren (endlich) wieder für einen europäischen Wettbewerb qualifiziert hat, schwelgt der Verein in Großmachtplänen: Expansion nach China, Modeste direkt hinterher, ausländische Investoren, eine neue Heimat für 75.000 Zuschauer außerhalb der Stadt und als Krönung: 100.000 Mitglieder! Nun, bei all den Großmachtplänen scheint der Vorstand wohl vergessen zu haben die Geschäftsführung zu beaufsichtigen. Wie sonst ist die Äußerung vom Vize-Präsidenten Toni Schumacher zu verstehen, der sich wünscht man hätte ihm etwas gesagt?

Was passierte in der Hinrunde?

EUROPA! London, Borisow und Belgrad. Fünf Festtage und ein Abschied in Belgrad über den wir besser den Mantel des Schweigens legen. Und was ist mit der Bundesliga? Nun, die historisch schlechteste Hinrunde wurde mit einem Sieg und drei Unentschieden abgeschlossen. Sechs Punkte, deutlich schlechter als der HSV. Und das heißt schon was. Mehr verletzte als einsatzfähige Spieler und in der Folge im Dezember das letzte Aufgebot. Ein Videobeweis der noch in den Kinderschuhen steckt kostet einige Punkte. Im Laufe der Hinrunde tritt zuerst der Manager zurück, beim Trainer scheint sich keiner zu trauen die Reißleine zu ziehen. Wie das Kaninchen vor der Schlange scheinen die Verantwortlichen zu warten, dass ihnen die Entscheidung abgenommen wird.

Weder der Vorstand noch der verbliebene Geschäftsführer sahen sich dazu im Stande den Trainer vor die Tür zu setzen. Ein Trainer, der schon im Sommer sagte das er sich leer fühlt und der Woche für Woche vor die Kameras trat um zu sagen „Ich weiß auch nicht woran es liegt, wenn jemand eine Lösung weiß kann er sie ja sagen“. Und wann wird er dann doch entlassen? In einer englischen Woche, wo ein Nachfolger keine reelle Chance hat die Mannschaft neu einzustellen.

Im Endeffekt übernahm ein neuer Trainer, welcher bereits bei der ersten Pressekonferenz vollkommen unnötig vom Präsidenten „angeschossen“ wurde. Ja, vielleicht war es ungünstig was Herrn Ruthenbeck einen Tag vorher zu seiner U19 gesagt hatte. Aber noch viel schlimmer ist ein Vorstand der sich weigert den Trainer zu entlassen, weil man Angst vor der öffentlichen Meinung hat. Nun gut, der gescholtene Trainer lässt mit jungen Talenten erfrischenden Fußball spielen, den man kaum noch für möglich gehalten hätte. Auch wenn man z.B. nach einer 3:0 Führung noch verliert, die Gewissheit Tore schießen zu können ist wieder da.

Wie ging die Rückrunde los?

Gut. Sehr gut sogar! Mit Mut und einem neuen Stürmer, austrainiert und weniger Verletzten startete man mit zwei Siegen, holte noch ein paar weitere Punkte und … hat endlich den HSV überholt. Nun, der Rückstand auf den HSV ist so groß gewesen, dass trotz einer passablen Ausbeute (1,3 Punkte im Schnitt bedeuten ca. 44 Punkte aufs Jahr gerechnet, Klassenerhalt)  bis zum 27. Spieltag gedauert hat den sich selbst zerfleischenden Bundesliga-Dino zu überholen. Spielerisch läuft es, der verloren gegangene Teamspirit ist wieder da und der FC hat trotz einer bescheidenen Hinrunde Hoffnungen auf den Klassenerhalt. Und trotzdem gibt es jede Menge Unruhe im Verein.

Die Schuldigen sind doch weg, warum gibt es dann noch Unruhe im Verein?

Nun, es wirkt, als wolle der Vorstand will den Mitgliedern und Fans die ehemalige sportliche Leitung als Sündenböcke präsentieren. Zwar mögen wir in Köln Böcke, allerdings keine Sündenböcke. Keine Aufsicht für den Manager, den Trainer nicht entlassen und nur knapp einem ehemaligen HSV-Manager entkommen. Denn wenn man allen Gerüchten glauben darf ist der ehemalige FC-Abwehrspieler nur durch das beherzte Eingreifen der Gremien verhindert worden.

Weil sie ihre eigene Haut retten wollen werden immer wieder neue Sündenböcke gesucht, damit von der eigenen Unfähigkeit abgelenkt wird. Und es gibt immer wieder neue Vorlagen, welche nur noch verwertet werden müssen: Fans mit Stadionverboten protestieren, geschmacklose Plakate gegen Angestellte, Investoren und Privatpersonen werden präsentiert, Fahnen aus dem Gästeblock werden entwendet, gegnerische Torhüter unflätig beschimpft und schließlich müssen wir doch noch auf das letzte EL-Spiel kommen: Leute, das war einfach scheiße! Und jedes Mal nutzt der Vorstand es und es wird mit dem Finger auf andere gezeigt um abzulenken. Das Schlimme ist: Das funktioniert.

Was ist der Höhepunkt dieser Eskalationskette?

Der Vorstand hat mit dem Aufsichtsrat, Beirat, Geschäftsführung und „Teilen des Mitgliederrates“ das Papier „Zusammen fair bleiben“ veröffentlicht. Nun, dieses Papier ist vieles, nur fair ist es eindeutig nicht. Hierzu gibt es bereits einige Analysen, deswegen werden wir hier nicht mehr darauf eingehen. Wir verweisen einfach auf den vierten Offiziellen oder effzeh.com. Nur so viel: Eine inhaltliche Vermischung aller Punkte, garniert mit persönlichen Vorwürfen bringt die Kommunikationskultur definitiv nicht weiter! Kritik an der Vereinsführung wird vermischt mit Gewaltproblemen, potentiellen Investoren aus China, Standort Stadion und wer dagegen ist, ist auf Seiten der Gewalttäter. So zumindest kann man das Schreiben verstehen.

Dazu werden dem vernehmen nach mittlerweile Kritiker gezielt diffamiert und sollen so unschädlich gemacht werden. Das gesamte Vorgehen gleicht einem wohl orchestrierten Angriff auf die satzungsmäßigen Rechte der Mitglieder und Gremien, wie es ansonsten nur im politischen Umfeld üblich erscheint.

Okay, aber vielleicht ist die strategische Richtung der Leitung ja doch in Ordnung?

Nein. Das Problem ist hierbei weniger der ausbleibende sportliche Erfolg in der Hinrunde. Die war sicherlich historisch und Spiele wie in Stuttgart oder gegen Frankfurt kann man sicherlich verlieren. Problematisch ist vielmehr das Krisenmanagement:

Während der sportlichen Krise und nach dem Rücktritt von Herrn Schmadtke war der Vorstand nicht sichtbar. Vielmehr wurde eine Vereinbarung abgeschlossen, welche den Verein 3,3 Millionen Euro kostet. Und Herr Schmadtke darf im Sommer wieder arbeiten gehen. 3,3 Millionen Euro Urlaubsgeld?

Um das sportliche Vakuum zu schließen sollte ein Dietmar Beiersdorfer kommen. Warum wurde so panisch reagiert, wo doch auch mit einem Horst Heldt und Armin Veh gesprochen wurde?

Es wurde jede sich bietende Möglichkeit genutzt um auf ein anderes Themenfeld umzuleiten. Streitigkeiten mit den Fans, Geschäftsführer Sport, Mitgliederrat, Stadt, Trainer, Ultras…jeder durfte mal in der Presse „Prellbock“ für die Vereinsführung dienen. So lange keiner auf die Idee kommt die Fehler bei den aktuell Verantwortlichen zu suchen.

Und was schlussfolgert man daraus?

Der Fisch stinkt vom Kopf her. Ein Aufsichtsorgan, das seiner Aufsichtspflicht nicht nachkommt macht wenig bis keinen Sinn. Bei der Aufsicht der Geschäftsführung hat der Vorstand leider scheinbar alle selbst gesteckten Maßstäbe ignoriert. Auch fehlte der Mut im richtigen Moment zu Handeln oder Verantwortung zu übernehmen. Mit dieser Art zu führen wird allerdings weder ein Problem gelöst, noch vorgebeugt.

Im Sommer könnte es spannend werden…..

Ein Gedanke zu „Abstieg, nicht nur sportlich

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