Michael Trippel im FC-Treff-Interview: „…jetzt kannst du es einfach sagen“

 

Egal ob es regnete, stürmte oder schneite, ob erste oder zweite Liga. Egal ob Trainer wie Lienen, Solbakken oder Stöger und Spieler wie Lottner, Podolski oder Modeste. Er war immer die Konstante, seit 1999: Michael Trippel. Die Fans lieben ihn für seine sachlichen Ansagen, die sich so angenehm von den üblichen Marktschreiern in den Stadien der Republik unterscheiden, mit der jetzt schon legendären Ansage „Meine Damen und Herren, soeben schellte in Kopenhagen das Telefon“ machte er sich endgültig unsterblich. FC-Treff hat mit ihm gesprochen:

 

Hallo Michael, danke, dass wir dieses Interview führen können.

Ja, kein Problem, gerne.

Die vergangene Spielzeit hat der Effzeh überragend auf dem 5. Platz beendet und somit die direkte UEL Teilnahme gesichert, wie ist dein Fazit?

Sensationell, ich habe gedacht ich erlebe das nicht mehr, dass wir europäisch spielen. Ich bin ja immer froh gewesen, wenn wir die 1. Liga gehalten haben und nicht in Abstiegsgefahr gekommen sind, von daher war das schon Großartig.

 

Weil sie, wie ich auch, dachten das erlebst du nicht mehr.

 

Gibt es eine besondere Erinnerung an die vergangene Saison?

Der letzte Spieltag natürlich, wo alles für uns lief. So wie man sich vorher vorgestellt hat, wie es laufen sollte, so ist es ja dann auch gekommen. Es war wie im Märchen, wie im Traum.

Du sprichst es grade an, das letzte Heimspiel gegen Mainz, kurz vor Schluss hast du den legendären Satz mit dem schellenden Telefon in Kopenhagen gebracht, hattest du das schon im Vorfeld geplant oder war es aus den Emotionen heraus spontan?

Beides, es war eigentlich schon eine Idee die vor Monaten entstanden ist. Ich bin viel mit dem Auto unterwegs und da macht man sich schon mal so seine Gedanken „was ist wenn…“. Wobei ich immer wusste, „das ist ja alles Quatsch, nur Träumerei, das passiert sowieso nicht.“ Und dann nach dem 2:0 durch Yuya Osako, wo es auch auf den anderen Plätzen alles so steht, dass eigentlich nichts mehr passieren kann, haben die Emotionen natürlich auch eine Rolle gespielt. Bei nem 1:0 hätte ich es nicht gesagt, aber beim Stand von 2:0 in der letzten Minute der Nachspielzeit habe ich gedacht „jetzt ist die Zeit gekommen, jetzt kannst du es einfach sagen“, weil es auch vom Inneren einfach eine Befreiung war, ich glaub für Alle. Nochmal deutlich zu machen, und in einem „Nachrichtenton“ zu sagen „Meine Damen und Herren, soeben schellt in Kopenhagen das Telefon!“, dass auch dem letzten bewusst wurde, was da jetzt eigentlich passiert ist. Es ist ja das wahr geworden, was wir bisher immer lange so ironisch Gesungen haben. Jetzt ist es passiert, jetzt sind wir im Europapokal.

In dem Moment hast du wohl jedem Fan aus der Seele gesprochen, ich zumindest hatte Pipi in den Augen.

Das ging vielen nach dem Spiel so, gerade die Älteren hatten Tränen in den Augen, weil sie, wie ich auch, dachten das erlebst du nicht mehr. Und für die jungen Fans, die ja nur Abstiege und Aufstiege kennen und Europapokal nur vom Hörensagen und von Erzählungen ihrer Eltern, wenn die damals schon dabei waren, ist das natürlich auch unglaublich.

Wie ist deine Prognose für die neue Saison?

Ich hoffe wir bekommen ein paar ordentliche Spiele in der Europaleague zu sehen und denke, dass wir nicht in Abstiegsgefahr geraten.

Hast du einen bestimmten Wunsch welche Mannschaft dem Effzeh als Gruppengegner zugelost werden sollte?

Ja, der FC Aberdeen, weil meine Tochter dort studiert.

 

Mein Wunsch ist am jetzigen Standort zu bleiben, also Ausbau des Stadions in Müngersdorf auf 70.000 Plätze.

 

Gibt es für dich einen „Spieler der Saison“?

Ich bin ja grundsätzlich kein Typ für nen „Spielerkult“, dafür bin ich zu lange dabei. Jonas Hector ist für mich immer faszinierend, weil ich seinen Weg ja auch miterlebt hab, ich mache ja auch bei den Spielen der U21 Stadionsprecher. Was aus ihm geworden ist, ist schon irrsinnig, Nationalspieler, zuverlässiger Führungsspieler im Verein. Vom Charakter her absolut einwandfrei, ein ruhiger, bescheidener Mensch, ohne Ambitionen unbedingt ins Ausland gehen zu wollen. Er ist Bodenständig und zufrieden mit dem was er hat. Aber ist gibt noch viele Andere, Anthony Modeste z.B., auch wenn er ein bisschen schwierig war, er war ja im letzten Jahr auch schon nicht einfach, hat gepokert und dann mehr Geld bekommen. Aber mit 25 Toren, sensationell, die musst du erstmal machen. Eigentlich kann man jeden nennen, Lukas Klünter ist auch so einer, wo man nochmal deutlich sieht, man muss im richtigen Moment am richtigen Ort sein, um auch Karriere machen zu können. Er war ja fast schon weg und plötzlich macht er das Spiel gegen Frankfurt und seitdem jedes Spiel von der 1. Minute an und überzeugt dabei. Marcel Risse ist mehr so der tragische Held, mit dem sensationellen Tor in Mönchengladbach hat er sich ja unsterblich gemacht. Schade, dass er sich so früh verletzt hat. Ich wiederhole mich, aber eigentlich kannst du jeden Spieler nennen.

Man kann also, auch wenn es plump klingt, sagen „Die Mannschaft ist der Star“?

Ja, absolut und ich hoffe das bleibt auch so. Lukas Podolski zum Beispiel würde als Spieler nicht mehr passen, aber irgendwann kommt er ja vielleicht als Manager oder Trainer zurück zum Effzeh.

Dann jetzt mal zu aktuelleren Themen, wie ist deine Meinung zum Thema Stadion? Bist du eher für einen Ausbau oder sollte der Effzeh sich einen anderen Standort für ein neues Stadion suchen?

Mein Wunsch ist am jetzigen Standort zu bleiben, also Ausbau des Stadions in Müngersdorf auf 70.000 Plätze. Da hängen so viele Erinnerungen dran, das hat so viel Tradition. Man muss natürlich auch den Effzeh aus wirtschaftlicher Sicht verstehen, wenn der Ausbau in Müngersdorf nicht möglich ist, dann woanders zu bauen. Wobei mir das schon sehr weh täte.

Wo du das wirtschaftlich schon ansprichst, Thema Investor, aktuell gibt’s noch keinen beim Effzeh, was wegen mir auch noch lange so bleiben könnte, wie stehst du dazu?

Da bin ich sehr gespalten, als alter Fußballer und Fan des 1.FC Köln möchte ich auch keinen, allerdings muss man sich irgendwann mal entscheiden, will ich nen Verein haben der auf Asche spielt oder einen der sich international bewegen kann. Und ich fürchte, dass man auf Dauer jemanden braucht der Geld reinsteckt, wobei die Frage ja ist wie weit man geht, wenn es nicht auf 50+1 geht, ist es okay. Einen bestimmen Anteil muss man dann verkaufen und damit Geld generieren, wenn man konkurrenzfähig bleiben will. Wenn du als Fan sagst, mir reicht es wie es bis jetzt ist, ich hab keine höheren Ziele, dann ginge es vielleicht auch ohne Investor, aber es würde schwer werden.

Also denkst du, dass man in der Liga auf lange Sicht nur noch mit Investor konkurrenzfähig bleibt?

Ja, das muss man so sehen.

Damit sind wir direkt beim aktuellen Thema, 100% FC, was hältst du von deren Antrag?

Da bin ich sehr kritisch, vor einigen Jahren wurde ja die aktuelle Satzung extra gemacht, mit den , ich glaube 25,9%(24,9% Anm.d.Red), die der Verein abgeben darf ohne die Mitglieder zu fragen. Das finde ich wichtig, damit der Vorstand und die Geschäftsführung handlungsfähig bleiben. Grundsätzlich denke ich, wie schon gesagt, wir brauchen Investoren und dann muss man auch der Geschäftsführung die Möglichkeit geben verhandeln zu dürfen und auch Angebote anzunehmen, sofern es sich im Rahmen der 25,9% (24,9% Anm.d.Red) bewegt, und nicht für jede Entscheidung eine Mitgliederversammlung einberufen zu müssen. Das dauert sehr lange, kostet Geld und die Gefahr besteht, dass bis dahin der Investor vielleicht schon wieder abgesprungen ist. So wie es jetzt ist halte ich es für gut und richtig. Die Geschäftsführung wird den Verein ja auch nicht unter Wert verkaufen, so viel Vertrauen sollte man schon in die handelnden Personen haben. Bei knapp 25% muss das ja auch schon eine gute Summe sein. Aber natürlich darf es nie über 50% werden, gar keine Frage.

 

Ich könnte mir vorstellen weiter zu machen, aber dann muss man wissen, ob das auch alle wollen.

 

Vom Anteilsverkauf zum Mitgliederrat, glaubst du der wird vom Verein ernstgenommen?

Ich denke er wird schon ernst genommen, aber auch nicht zu wichtig. Er hat wichtige Funktionen

die er auch ausübt, aber er garantiert keinen sportlichen Erfolg.

Man hört hier und da mal, dass es intern Unstimmigkeiten oder Reibereien gäbe, kannst du dazu was sagen?

Natürlich gibt es immer unterschiedliche Meinungen, wir sind ja 14 Personen, die bekommt man nicht immer auf einen Nenner. Und dann muss man gucken, wie die Mehrheiten sind. Es ist nicht immer „Friede, Freude, Eierkuchen“

Zum Abschluss noch kurz was zu Dir, du hast vor einiger Zeit bezüglich deines Stadionsprecheramtes mal was von einer Vereinbarung bis 2019 geschrieben. Muss man sich Sorgen machen dich dann nicht mehr zu hören, oder kann man länger mit dir rechnen?

Alex Wehrle und ich haben uns jetzt erstmal auf 2019 verständigt, dann bin ich 65. Dann muss man gucken, wenn man sagt es ist alles okay so, dann verlängert man das evtl. nochmal, wenn alle zufrieden sind. Aber letztendlich hängt es auch nicht von mir oder auch vom Verein ab, sondern ich denke immer es geht auch um die Zuschauer, sind die zufrieden mit dem Trippel oder wollen die mal was anderes? Wobei ich glaube zur Zeit sind sie sehr zufrieden. Schauen wir mal was in 2 Jahren ist, im Fußball geht es ja immer so schnell. Ich könnte mir vorstellen, weiter zu machen, aber dann muss man wissen, ob das auch alle wollen.

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Zum Schluss möchte ich mich nochmal Bedanken, dass du so selbstverständlich zu diesem Interview bereit warst.

Gerne.

Quelle der Bilder : freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Michael Trippel.

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